In Vadstena wurde 1826 Schwedens erstes Zentralhospital für Geisteskranke eingerichtet und Schwedens erster Arzt in der Psychiatrie – Georg Engström – angestellt. Vadstena hatte gute Voraussetzungen als Hospitalstadt. Die Stadt konnte bereits auf eine jahrhundertelang währende Hospitaltradition zurückblicken: Mårten Skinnares Hospital, gegründet 1519, sowie das Heiliggeistspital, das bereits zur frühen Klosterzeit im Jahre 1400 eingerichtet worden war. 140 Jahre lang war außerdem das ehemalige Nonnenkloster als staatliches Kriegsinvalidenheim (1643–1783) benutzt worden.
Das Hospital wuchs kräftig und viele Gebäude kamen hinzu. Die Zahl der Insassen bzw. Patienten stieg von 80 (Jahr 1703), 200 (Jahr 1826) und 900 (Jahr 1895) bis auf 1100 in den 1960er-Jahren. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war allerdings der größte Teil der Krankenhausbauten unmodern geworden. Deshalb wurde hinter dem alten Hospitalviertel eine ganz neue Krankenhausstadt angelegt - das Birgitta-Viertel. Mit ca. 1000 Angestellten war das Birgitta-Krankenhaus der größte Wirtschaftsfaktor der kleinen Stadt Vadstena bis zur Stilllegung der Psychiatrie nach dem Übergang zu offener Behandlung. Heute befindet sich nur noch die gerichtspsychiatrische Regionalklinik mit derzeit 86 Plätzen in Vadstena. Sie ist eine von fünf Kliniken im Lande und wird baulich modernisiert und erweitert.
Das Große Tollhaus von 1757 beherbergt heute das Hospitalsmuseum. Auf zwei Etagen kann man sich über die Geschichte des Hospitals vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart sowie über die Behandlung von Geisteskranken von Verwahrung und geschlossener Abteilung zur heutigen offenen Behandlung informieren.
Helgeandshus
1. Helgeandsgården (Heiliggeistspital)
Der Helgeandsgården wurde das erste Mal in einer päpstlichen Bulle von 1399 genannt und war damals dem Kloster
unterstellt. Er war eine mittelalterliche Einrichtung für Alte, Arme und Kranke. Nach einem verheerenden
Stadtbrand wurde 1487 das heutige Helgeandshaus errichtet. Es war die Wohnstätte mehrerer Landeshauptmänner.
Sein heutiges Aussehen mit symmetrischen Flügeln erhielt der Hof in den 1770er Jahren, während die heutige
Fassade aus dem Jahre 1868 stammt. Seit 1903 befindet sich im Eckhaus die Gamla Konditoriet („Alte Konditorei“).
Mårten Skinnares Haus
2. Mårten Skinnares Hus
1519 begründete der Kaufmann Mårten Nilsson „Skinnare“ die Initiative für eine Hospitalsstiftung und legte östlich
vom Kloster ein neues Hospital für die allerärmsten Menschen und Pilger an. Die Gebäude wurden aus Holz errichtet,
ausgenommen davon war ein Vorratshaus aus Naturstein.
König Johan III. begann 1587 den Bau eines neuen Hospitals aus Ziegeln. Als einziges Gebäude entstand der heute auf dem Hospitalsgelände vorhandene Bau – ein seltenes und gut erhaltenes spätmittelalterliches Wohnhaus, das auf Führungen auch von innen besichtigt werden kann.
Stora Dårhuset (Großes Tollhaus)
3. Stora Dårhuset (Großes Tollhaus)
Das „Große Tollhaus“ war Schwedens erstes Krankenhaus, das 1757 ausschließlich für Geisteskranke geschaffen wurde.
Es bot Platz für zwölf „elende, wahnsinnige und tobsüchtige“ Personen. Nachdem später dessen Patienten in andere
Bereiche des Hospitals verlegt worden waren, war dort bis 1955 die Krankenhausbäckerei untergebracht.
1977 entstand hier das Hospitalsmuseum.
Mittlerweile ist die Ausstellung, die zum Östergötlands Museum gehört, geschlossen und teilweise evakuiert. Das „Große Tollhaus“ erfüllt heute nicht mehr die Anforderungen an ein modernes Museum, unter anderem aus Gründen des Brandschutzes. Es wird angestrebt, die Ausstellung an anderer Stelle der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Trefaldighetsgården und Kirche
4. Trefaldighetsgården (Dreifaltigkeitshof)
1704 zog das Hospital zum heutigen Platz an der Lastköpingsgatan um. Dort wurden für 80 Arme und Kranke zwei
parallele Flügel aus Holz errichtet. Bereits fünfzig Jahre später wichen diese solchen aus Ziegelsteinen. Die
neue Kirche, Hl. Dreifaltigkeitskirche genannt, wurde 1750 eingeweiht.
Dreifaltigkeitskirche
Beim Ausbau 1856–1860 erhielt der Dreifaltigkeitshof sein heutiges Aussehen. Der Hof wurde auf die doppelte Länge verlängert und aufgestockt. Im Obergeschoss wurde eine neue Kirche eingerichtet.
Seit den 1980er-Jahren ist der Trefaldighetsgården Teil von Vadstenas Volkshochschule.
Nonnenkloster (Westflügel)
5. Nonnenkloster
Nachdem das Kloster 1595 als letztes schwedisches Kloster nach der Reformation geschlossen worden war, wurde der
Klosterbereich umgestaltet, um Kriegsinvaliden von allen Schlachtfeldern der Großmachtzeit aufzunehmen. Während
Königin Kristinas Regierungszeit entstand hier das erste Kriegsinvalidenheim Europas. Später war das Nonnenkloster
für eine kurze Zeit eine sogenannte Korrektionsanstalt, d. h. ein Gefängnis zum Zwecke der Resozialisierung seiner
Insassen, und ab 1829 Geisteskrankenhaus.
1951 fand der Umzug des Krankenhauses in das neue Birgitta-Viertel statt. Der Nordflügel wurde restauriert, nachdem man entdeckt hatte, dass dieser aus dem ehemaligen Königspalast der Folkunger aus der Zeit des 13. Jahrhunderts bestand.
Der Westflügel konnte in den 1960er-Jahren für die Birgitta-Stiftung zu einem Gästehaus umgebaut werden. 1988 entstand daraus das Klosterhotel.
Ehemaliges Kurhus/Lazarett
6. Mönchskloster
Das Mönchskloster gehörte gleichfalls zum Invalidenhotel. Es wurde in den 1760er-Jahren gründlich umgebaut.
Dabei entstand u. a. eine Inspektorwohnung im neuen Obergeschoss.
Zwölf Jahre nach der Schließung des Krigsmanshuset wurde 1795 hier das sogenannte Kurhus eröffnet, d. h. ein Krankenhaus für Geschlechtskrankheiten mit Platz für 40 Patienten. Daraus entstand 1847 das Lazarett als allgemeines Krankenhaus der Stadt.
Heutige befindet sich hier das Restaurant Munkklostret und die Rezeption des Klosterhotels.
Hjertstedtska Huset
7. Hjertstedtska Huset (Hjertstedtsches Haus)
Das Haus war die Ärztewohnung des Kurhauses und erhielt seinen Namen nach Ludwig Magnus Hjertstedt, Stadtarzt in
Vadstena 1840–1849 und Oberarzt des Kurhauses und Vadstena Hospitals 1846–1868.
Während der Sommermonate hält hier das Klosterhotel sein Sommercafé geöffnet.
Empiren
8. Empiren
Um 1840 entstand im Nonnenklostergarten die sogenannte Empirevilla als 1.-Klasse-Abteilung des Hospitals für Frauen.
Heute wird das Gebäude von der Volkshochschule Vadstenas genutzt.
Dahlströmska Gården
9. Dahlströmska Gården
In den 1830er Jahren wurde das Grundstück, der sogenannte Dahlströmska Gården, zum Zwecke der Erweiterung des
Vadstena Hospitals gekauft. Bei dem nördlichen Flügel handelt es sich um das ehemalige Wohnhaus, während der
Südflügel aus Bauholz des früheren Saatgutmagazins entstand. Beide Häuser wurden eingerichtet, um „wahnsinnige
Personen aus den gebildeten Volksklassen“ aufzunehmen – ein Tollhaus für die zahlenden Patienten aus der
Oberschicht. Mit sich nahm man Bedienstete, und die Zimmer waren der damaligen Mode entsprechend tapeziert.
Die Grundrisse der Krankenhauszeit sind noch vorhanden. Die Gebäude bieten einen faszinierenden Einblick in das Pflegemilieu der Privilegierten mit schönen, farbenfreudigen Tapeten, Holzfußböden und Spiegeltüren.
Der Krankenhausbetrieb bestand hier bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Dahlströmska Gården – B&B, Zimmer & Frühstück eröffnete 2009 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten.
10. Lars Wilhelm Gahnes Grab
Auf dem ehemaligen Hospitalsfriedhof in Vadstena ist ein einziger Grabstein erhalten geblieben. Er steht am Grabe
von Lars Wilhelm Gahne, der an Epilepsie litt und am 23. Juni 1854 im Alter von 17 Jahren eingeliefert worden war.
Zuvor hatte er eine „Probekur“ am Visby Lazarett abgeschlossen. Gahne verstarb nach kurzer Zeit am 11. Dezember 1857.
11. Birgitta-Krankenhaus-Viertel
Mit Beginn der 1940er-Jahre entstand östlich des alten Hospitals eine neue, moderne Krankenhausstadt, das
Birgitta-Krankenhaus. Heute besteht in diesem Bereich nur noch die gerichtspsychiatrische Regionsklinik,
während der Großteil der Gebäude neuen Verwendungen zugeführt worden ist, beispielsweise als Gemeindeverwaltung,
Ärztehaus und Gymnasium.
12. Gerichtspsychiatrische Regionsklinik
In Vadstena befindet sich eine von fünf gerichtspsychiatrischen Regionskliniken im Lande. Sie wird als gemeinsame
Ressource für Schwedens südöstliche Krankenversorgungsregion genutzt.
In der Klinik werden hauptsächlich solche Menschen behandelt, die Verbrechen unter Einfluss einer ernsthaften psychiatrischen Störung begangen haben und deshalb nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden können.
Die heutige Klinik nahm ihren Betrieb im November 1986 auf. Die aus den Fünfzigerjahren stammenden Gebäude gelten heute als ausgedient. Vor diesem Hintergrund wurden für die Gerichtspsychiatrie ganz neue Lokale errichtet und die neue Klinik im Frühjahr 2017 eingeweiht.
Vadstena Lasarett
13. Vadstena Lazarett, Motalagatan
1908 entstand für das allgemeine Krankenhaus dieser Neubau an der Motalagatan. 1970 erfolgte ein weiterer Umzug,
diesmal nach Motala.
Asylen
14. Asylen
Der Park wurde 1548 von König Gustav Vasa als Schlossgarten angelegt. Davor hatten Bürger der Stadt hier eigene
Gärten besessen.
1871 entstand im Garten eine Zuckerfabrik, deren Betrieb nach wenigen Jahren mit dem Konkurs endete. Danach entstand 1887 in den Räumlichkeiten eine Tabakfabrik.
1895 erhielt das Gebäude sein heute noch vorhandenes Aussehen, als es zum Asyl umgebaut und erweitert wurde, d. h. zu einer Nervenheilanstalt für männliche Patienten. Die Architektur ist an die des Schlosses angelehnt. Das Asylen, auch südliches Krankenhaus genannt, war bis 1973 in Betrieb.
1986 geschah ein tiefgreifender Umbau zu Wohnungen, Geschäftsräumen und Bibliothek.
Bei den übrigen Gebäuden im Asylenpark handelt es sich um einen ebenerdigen Bau an der Slottsgatan aus dem 18. Jahrhundert, Baron Steijers Pavillon von 1844 und die größere Oberarztvilla aus den 90er-Jahren desselben Jahrhunderts.
Trefaldighetsgården und Kirche
Mårten Skinnares Haus
Vadstena Hospital - Mårten Skinnares Haus - Großes Tollhaus - Hospitalsmuseum - Dahlströmska Gården - Lars Wilhelm Gahnes Grab - Empiren - Klosterbereich zur Hospitalszeit
Seit der Stadtgründung 1400 befand sich in der Innenstadt von Vadstena ein Heiliggeistspital. Als immer größere Pilgerscharen die Klosterkirche besuchten, stiftete der Kaufmann Mårten Nilsson Skinnare 1519 der Stadt ein neues Hospital östlich des Klosters. 1826 ging daraus das erste schwedische Zentralhospital für Geisteskranke hervor, an dem 1829 auch Schwedens erster Psychiater, Georg Engström, seine Arbeit aufnahm. Ihm verdanken wir eine intensive Beschäftigung mit den Kranken und die detaillierte Führung von Krankenakten.
Das Hospital wuchs schnell und breitete sich auch über andere Bereiche der Stadt aus. Als Mitte des 20. Jahrhunderts viele Gebäude nicht mehr für die Psychiatrie geeignet waren, entstand in Vadstena eine ganz neue Krankenhausstadt, das Birgitta-Viertel. Zu dieser Zeit erlebte das Birgitta-Krankenhaus auch seine Blütezeit mit 1100 Patienten und 1000 Mitarbeitern. Mit dem Aufkommen neuer Behandlungsmethoden wurden die Patienten größtenteils nach Hause entlassen und die großen Einrichtungen geschlossen. Heute ist in Vadstena nur noch eine gerichtspsychiatrische Klinik vorhanden.
olgen Sie unserem Guide auf einem Spaziergang zu den gut erhaltenen Hospitalsgebäuden wie Mårten Skinnares Haus aus dem 16. Jahrhundert, dem Großen Tollhaus und Trefaldighetsgården und erfahren Sie mehr über Vadstenas Geschichte als Hospitals- und Krankenhausstadt.
Sprachen: Deutsch, Englisch, Schwedisch
Dauer: 1 Stunde
Teilnehmerzahl: max. 25–30 Personen / Gruppe
Preis:
Montag–Freitag: 1750 SEK inkl. MwSt.
Samstag/Sonntag/Feiertag: 2125 SEK inkl. MwSt.
UpplevVadstena AB
Skedagatan 208, 592 93 Borghamn
0143-201 19, +46-76-765 13 17
Ein Gruß aus Vadstena: Vadstena Landeskrankenhaus (Länslasarett), 1908
Die Geschichte von Vadstena als Gesundheitsstadt reicht bis zur Gründung des Heiliggeistspitals im Jahr 1400 zurück, einem Heim für alte, kranke und schutzbedürftige Menschen. Die Pflege wurde damals von Angehörigen übernommen. Mit dem Hospital des Mårten Skinnare aus dem Jahr 1519, dem Krigsmanshuset (Heim für Kriegsversehrte) und dem Kurhuset (Krankenhaus für Geschlechtskrankheiten) entstanden im Laufe der Zeit neue spezielle Einrichtungen.
Krankenpflege im allgemeinen, modernen Sinne begann in Vadstena zunächst durch die Provinzialärzte-Station (1785–1834) und 1847 in Form des Bezirkskrankenhauses im ehemaligen Mönchskloster. Im Jahr 1909 konnte das neue Bezirkskrankenhaus in Vadstena eingeweiht werden. Hier ist die Südfassade des Gebäudes auf einer Postkarte zu sehen, die im Jahr der Einweihung verschickt wurde.
1970 zog das Bezirkskrankenhaus nach Motala (LiM, Lasarett i Motala) um. Die Räumlichkeiten in der Motalagatan werden heute als Firmenhotel und Wohnungen genutzt.
Ansichtskarte: Östergötlands Museum
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